Literaturpreise im deutsch-französischen Vergleich: Was ist gute Literatur?

Regards franco-allemands sur les prix littéraires: Qu'est-ce qu'un 'bon' livre en littérature?

Zeitraum: 2017 / 2018

Gymnasium Othmarschen · Hamburg · Hamburg
14 Schüler*innen · 16 - 18 Jahre
Lycée Dumont d'Urville · TOULON · Nice
14 Schüler*innen · 16 - 17 Jahre

  • Deutsch-französische Beziehungen
  • Fremdsprachen
  • Geschichte / Traditionen
  • Identitätskonstruktion
  • Interkultureller Dialog
  • Konsumarten
  • Kulturelles Erbe / regionale Identität
  • Literatur
  • Medien / Kommunikation

Die Schüler lernen die verschiedenen Kulturen der Literaturpreise in Deutschland und Frankreich kennen. Exemplarisch lesen und analysieren sie je ein aktuell prämiertes Werk und stellen sich weitere preisgekrönte Werke vor. In dt.-frz. Kleingruppen erarbeiten sie verschiedene thematische Aspekte, die mit dem Phänomen der Literaturpreise verbunden sind, wie z.B. die ökonomischen Hintergründe (Verlagswesen, Buchmarkt) und die Bedeutung der Preise für die Autoren, sowie literatursoziologische und politische Perspektiven.
Die Schüler setzen sich mit Qualitätskriterien für „gute Literatur“ auseinander, indem sie ihre eigenen Kriterien mit offiziellen Bewertungen der Jurys vergleichen. Sie führen Interviews mit Menschen auf der Straße, aber auch mit Buchhändlern, Vertretern von Theatern und Verlagen, um zu erfahren, wie die Menschen über Literaturpreise und über die prämierten Bücher denken, und erforschen, wie die aktuelle Literatur des jeweils anderen Landes rezipiert wird.

Die Aktualität des Themas zeigt sich exemplarisch vor dem Hintergrund der Rolle Frankreichs auf der diesjährigen Frankfurter Buchmesse. Auch die Bedeutung des Lesens für Kinder und Jugendliche steht aktuell im bildungspolitischen Fokus (vgl. die "circulaire officielle": www.education.gouv.fr/cid121453/ensemble-pour-un-pays-de-lecteurs.html).
Der Zugang zu Literatur ist insofern innovativ, als die Schülerinnen und Schüler üblicherweise (und in besonderer Weise im Rahmen des Abibac) mit „Klassikern“ der deutschen und französischen Literatur konfrontiert werden. In diesem Projekt aber lesen sie Werke, die noch keinerlei Spuren von „literaturgeschichtlicher Patina“ entwickelt haben.
Das Projekt stellt zudem eine besondere Anforderung im Hinblick auf die zunehmend in beiden Ländern geforderte Mediationskompetenz der Schüler dar, da sie sich im Verlauf der Kooperation wechselseitig (inter)kulturell bedeutsame, komplexe Phänomene, Themen und Werke vorstellen und vermitteln müssen.

Aktivitäten


Vorbereitung

Die Schüler entwickeln Fragebögen, mit denen sie ermitteln können, welche Lesegewohnheiten, Kenntnisse aktueller Literatur des eigenen und des Partnerlandes gegeben sind. Sie führen Interviews mit Menschen in ihrem Umkreis und auf der Straße.
Die Schüler nehmen jeweils an einem Literaturwettbewerb teil, in Hamburg am "Prix des lycéens allemands" und in Toulon am "Prix littéraire des lycéens et apprentis de la Région PACA - Provence-Alpes-Côte d'Azur".
Die Schüler bereiten die Lektüren je eines deutschen und eines französischen Werks vor, die im Rahmen der Begegnung gemeinsam untersucht, verglichen und diskutiert werden.

Die Schüler tauschen per Email ihre Fragebögen aus, um diese aufeinander abzustimmen.
Sie berichten sich per Email über die jeweiligen Bedingungen und Abläufe der Literaturwettbewerbe, an denen sie jeweils teilnehmen.

Die Schüler entwickeln eigene Fragebögen, die sie mit ihren Austauschpartnern abstimmen müssen, um Vergleichbarkeit der Ergebnisse herzustellen. Hier ist bereits eine erste Auseinandersetzung mit der Frage nach Kriterien zur Bewertung von Literatur, Literaturgeschmack und unterschiedlichen Einstellungen von Menschen zu Büchern, aktueller Literatur und Buchpreisen erforderlich.
Im Rahmen der beiden Literaturwettbewerbe müssen die Schüler jeweils mehrere französischsprachige Werke lesen, analysieren und in ihrer Lerngruppe anhand ihrer selbst entwickelten Kritierien über das jeweils beste Werk debattieren.
Die Schüler bereiten zudem zwei für die Begegnung ausgewählte Lektüren vor.

Begegnung

Die Schüler präsentieren sich gegenseitig die Ergebnisse ihrer Interviews und werten diese gemeinsam aus.
Die Schüler arbeiten in dt.-frz. Kleingruppen an zwei exemplarischen, aktuell prämierten Werken (je ein deutsches, ein französisches). Im Vordergrund dieser Projektphase stehen analytische, kreative und kommunikative Formen der Texterschließung.
Die Schüler stellen sich gegenseitig Exposés zu Literaturpreisen in Deutschland und Frankreich und Kurzpräsentationen von prämierten Werken ihrer Wahl vor.
Die Schüler treffen einen Autor oder einen Vertreter einer Literaturinstitution (Theater, Verlag o.ä.) und führen ein Expertengespräch.

Die Schüler arbeiten in dt.-frz. Kleingruppen (je max. 4 Personen) und werten arbeitsteilig und in vergleichender Perspektive die verschiedenen Aspekte der Interview-Ergebnisse aus.
Im Wechsel mit Plenumsphasen, in denen die einzelnen Untersuchungsmerkmale der Werke sowie der Ablauf der literaturanalytischen Arbeit besprochen wird, arbeiten die Schüler erneut in dt-frz. Kleingruppen an einzelnen thematischen oder sprachlichen Aspekten der Werke, die dann in Form des Gruppenpuzzles zusammengeführt werden. Jeweils zu zweit präsentieren Schüler einer Gruppe im Plenum Exposés zu Literaturpreisen und ausgewählten Werken.

Die Schüler müssen Ergebnisse ihrer Befragungen für ihre Austauschpartner verständlich zusammenfassen und gemeinsam Formen der Visualisierung entwickeln. Sie müssen hier also Verfahren anwenden, die zuvor im PGW- bzw. SES-Unterricht vermittelt worden sind.
Im Zuge der Arbeit über literarische Werke werden die Schüler im Austausch mit ihren Partnern intensiv an deutschen und französischen Texten arbeiten, sich über Elemente literarischer Texte anhand zweier verschiedener Fachterminologien verständigen, um die Ergebnisse klar zu strukturieren und zu präsentieren.  
Die Auswahl der zu präsentierenden Literaturpreise und einiger exemplarischer Werke erfolgt durch die Schüler selbst.

Begegnung

Die Schüler arbeiten in dt.-frz. Kleingruppen an literaturübergreifenden Themen: z.B. Buchmarkt und Verlagswesen, Käuferverhalten und Literatursoziologie, Literaturgeschmack und Literaturästhetik, und stellen sich ihre Ergebnisse vor.
Die Schüler besuchen ein Verlagshaus in Hamburg (z.B. Hoffmann und Campe), evtl. auch das Literaturhaus und führen Expertengespräche mit Verantwortlichen des Verlagswesens. In Kleingruppen besuchen sie verschiedene Buchhandlungen in unterschiedlichen Stadtteilen und befragen Buchändler nach ihren Erfahrungen mit Buchpreisen, Kaufverhalten und Literaturgeschmack.
Abschließend wird gemeinsam die Gestaltung des Endprodukts und die Aufgabenverteilung besprochen.

Die Schüler bereiten in dt-frz. Kleingruppen thematische Exposés über literaturübergreifende Phänomene in Deutschland und Frankreich vor. Sie sind insofern in dieser Phase mit kommunikativen, interkulturellen und interdisziplinären Aufgaben konfrontiert. Insofern müssen sie einerseits eine gewisse Komplexität bewältigen und diese im nächsten Schritt zwecks Präsentation vor der Gruppe wieder reduzieren.
Die Gespräche mit Verantwortlichen aus Verlagen und Buchhandlungen werden vor dem Hintergrund der Exposés in dt-frz Tandems vorbereitet.
Die Schüler diskutieren im Plenum über die Gestaltung des Online-Magazins und ordnen sich dann je nach Interesse ihren Verantwortlichkeiten zu.

Die Schüler recherchieren teils individuell, teils zu mehreren, diskutieren ihr jeweiliges Exposé-Thema in ihrer dt-frz Kleingruppe und erarbeiten eigenverantwortlich eine Präsentation. Sie bringen ihre Erkenntnisse aus dieser Arbeitsphase in die Vorbereitung der Expertengespräche ein.
Die Schüler planen in eigener Regie ihre Besuche in Buchhandlungen, von der Erstellung des Fragebogens über die Auswertung und Dokumentation bis zur Logistik.
Die Schüler entscheiden über die Gestaltung des Online-Magazins. Sie übernehmen Verantwortung für einzelne Aufgabenbereiche und verpflichten sich damit zu einer verlässlichen Bearbeitung ihrer Aufgaben. 

Nachbereitung

Auf der Grundlage der verschiedenen Ergebnisse des Projektes (Auswertung von Interviews, Buchbesprechungen, Exposés über Literaturpreise, Dokumentation von Exkursionen und Expertengesprächen) soll ein Online-Magazin erstellt werden, an dem die Schüler gemeinsam von Toulon und Hamburg aus arbeiten können.
Die Themen bzw. "Ressorts" des Magazins werden von den Schülern am Ende der zweiten Begegnung in Hamburg festgelegt, ebenso die inhaltliche und die organisatorische Durchführung.
Nach der Fertigstellung des Magazins sollen die ausgedruckten Exemplare an den beiden Schulen vorgestellt und verteilt werden.

In dieser Phase wird der Schwerpunkt auf unterschiedlichen individuellen Tätigkeiten liegen, vorwiegend Textproduktion (Sachbeiträge, Buchbesprechungen), aber auch medienspezifischen Aufgaben (Visualisierung von Umfrageergebnissen, Auswahl von Fotos, Design/Layout des Magazins). Auch in dieser Phase wird die Kommunikation mit den Austauschpartnern über Email laufen bzw. in der gemeinsamen Arbeit an dem digitalen Produkt bestehen. Je nach Zusammenstellung der Arbeitsgruppen werden sich dt.-frz Kooperationen ergeben.
Für November 2018 ist ein abschließendes Treffen mit einer Auswertung des Projekts geplant, da evtl. beide Gruppen am Forum franco-allemand in Straßburg teilnehmen werden.

Die Gestaltung des Endprodukts liegt maßgeblich in der Hand der Schüler. Von der Festlegung der Themen, des Layouts, der Aufgabenverteilung bis zum Ausdruck sollen sie bestimmen, wie sie ihr Projekt festhalten und präsentieren wollen. Insofern besteht die Schüleraktivität einerseits in der gemeinsamen Verständigung auf Organisation, Form und Inhalt des Produkts, andererseits in der individuellen Bearbeitung des jeweiligen Verantwortungsbereichs.

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